Gründe für eine geschlechtergerechte Sprache

 

Erstens: Sprache bestimmt das Denken und auch das Bewusstsein. Dies lässt sich wissenschaftlich belegen. Ein Beispiel hierfür ist ein weithin rezipiertes und inzwischen vielfach wiederholtes Experiment: Eine Gruppe von Proband*innen wurde nach berühmten Politikern, Sportlern, Schriftstellern, Malern usw. gefragt, eine weitere Gruppe nach berühmten Politikerinnen und Politikern, Sportlerinnen und Sportlern, Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Malerinnen und Malern usw. Die Ergebnisse zeigen: in der zweiten Gruppe gibt es bis zu einem Drittel mehr Nennungen von Frauen als in der ersten Gruppe (vgl. Heise:2000; Sczensy/ Stahlberg: 2001).

Zweitens: Sprache beeinflusst nicht nur unser Denken, sie schafft auch Realität (vgl. Eichhoff-Cyrus 2004: 7).Wird beispielsweise nur von Kapitänen sowie von Krankenschwestern gesprochen, ziehen möglicherweise weniger Frauen respektive Männer diese Berufsfelder von vorneherein für sich in Betracht.

Drittens: Unsere Gesellschaft sollte einen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Respekt lässt sich auch über Sprache zeigen, indem nicht nur das generische Maskulinum verwendet wird, bei dem andere Geschlechter einfach unerwähnt bleiben oder bloß „mitgemeint“ sind, sondern alle angesprochen werden..

Viertens: Der Bund regelt in dem Gesetz zur Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern (u.a.Gleichstellungsdurchsetzungsgesetz DGleiG 2001 §1 Abs 2), dass Rechts-und Verwaltungsvorschriften des Bundes sowie der dienstliche Schriftverkehr die Gleichstellung von Frauen und Männern sprachlich zum Ausdruck bringen sollen.

Füntens: Sprache befindet sich seit jeher im Wandel, weshalb beispielsweise auch die wenigsten von uns des Mittelhochdeutschen mächtig sind. Ein Sprachwandel hin zu einer geschlechtergerechten Sprache stellt mithin keinen Bruch, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Sprache dar.

 

Außerdem:

Es gibt viele Menschen, die sich nicht in die binäre Vorstellung männlicher und weiblicher Geschlechtlichkeit einordnen (können). Der Genderstern kann symbolisieren, dass es sich bei einer Personengruppe nicht nur um zwei Geschlechter handelt. Sie lassen Raum für weitere Geschlechterformen. So können auch Personen einbezogen werden, die sich beispielsweise als trans, intersexuell oder nicht-ident verorten. Die Schreibweise kann im Sprechen einfach mit einer Pause vor dem Stern gekennzeichnet werden.

(vgl. "Leitfaden gendergerechte Sprache, Hochschule Emden-Leer)

 

Gleichstellungspolitische Ziele zum Handlungsfeld sind u.a.:

  • eine verbindliche Regelung zu einer gendersensiblen Sprache in der Verwaltung (Leitfaden)
  • Stellenausschreibungen, die sich sowohl auf Frauen, Männer und andere Geschlechter beziehen
  • Ansprache von mehr als zwei Geschlechtern (Sichtbarmachung)

 

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